Österreich ist ein Land, das für seine natürliche Vielfalt bekannt ist – doch unter den heimischen Tieren gibt es eine besonders faszinierende, aber auch bedrohte Gruppe: die Gorillas. Während die meisten Menschen an Affenschläuchen in Zoos denken, existieren in Österreich nur wenige, streng geschützte Populationen von Wildtieren, die eng mit dem Schutzprogramm der Europäischen Union verknüpft sind. Die meisten Gorillas in unserem Land sind keine Wildtiere, sondern gehören zu den über 1.000 in deutschen Zoos gehaltenen Tieren, die als Teil des europäischen Artenschutzprogramms (EEP) zusammenarbeiten. Doch auch hier gibt es eine wichtige Unterscheidung: Nur wenige Zoos in Österreich sind offiziell für Gorillas zugelassen, was die Herausforderungen für Besucher und Betreiber erhöht.
Der bekannteste Gorillenschutz in Österreich ist das mehr infos, das sich auf die Aufzucht und den Artenschutz von Westgorillas konzentriert. Diese Art, die ursprünglich aus Westafrika stammt, ist besonders anfällig für Wildfang und den Handel mit exotischen Tieren. Seit den 1990er-Jahren hat sich das Projekt zu einem Modell für europäische Zoos entwickelt, das nicht nur die Überlebensfähigkeit der Tiere sichert, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnisse über ihr Verhalten liefert. Ein zentrales Ziel ist es, die Tiere so zu halten, dass sie eines Tages in freier Wildbahn wieder ansiedelbar sind – ein Prozess, der Jahrzehnte dauern kann.
Die Rolle der Zoos im europäischen Artenschutz
Zoos spielen eine entscheidende Rolle beim Erhalt gefährdeter Arten, und Österreich ist hier nicht weniger aktiv als andere Länder. Laut dem Österreichischen Zooverband sind rund 20 Prozent aller in Österreich gehaltenen Tiere Teil des europäischen Artenschutzprogramms (EEP), zu dem auch Gorillas gehören. Besonders erfolgreich ist das Projekt in der Aufzucht junger Gorillas, wo es gelungen ist, die genetische Vielfalt zu erhalten und krankheitsresistente Linien zu entwickeln. Ein Beispiel ist der Gorilla-Nachwuchs in der Zoologischen Gärtnerei Wien, wo seit 2010 regelmäßig Jungtiere geboren werden. Diese Tiere werden später in spezialisierte Zoos in Deutschland oder Belgien überführt, wo sie in natürlicher Umgebung leben können.
Doch der Erfolg hängt von einer engeren Zusammenarbeit zwischen Zoos, Wissenschaftlern und Naturschutzorganisationen ab. Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gorilla-Verbund (IGCP), der seit 2005 die Bedrohungen in den Wildbeständen in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo analysiert. Obwohl Österreich selbst keine Wildgorillas beherbergt, profitieren die europäischen Zoos von den Erkenntnissen, um ihre Haltung noch besser auf die Bedürfnisse der Tiere auszurichten. Besonders wichtig ist dabei die Dokumentation von Verhaltensmustern, um Stressfaktoren in Gefangenschaft zu minimieren.
Bedrohungen und ethische Fragen
Trotz aller Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die Abhängigkeit von Zoos vom Wildfang, besonders bei Arten wie den Westgorillas. Laut dem WWF wurden seit 1990 über 1.000 Gorillas illegal aus der Wildnis entführt, viele davon für den Zoohandel. In Österreich sind solche Fälle extrem selten, aber die Gefahr bleibt. Zudem wirft die Haltung von Gorillas in Zoos ethische Fragen auf: Während einige Betreiber betonen, dass die Tiere ein «Zuhause» haben, kritisieren Tierrechtsgruppen die Art der Haltung als nicht artgerecht. Studien zeigen, dass Gorillas in Gefangenschaft oft unter psychischen Stress leiden, wenn ihre sozialen Strukturen nicht ausreichend nachgebildet werden.
Ein weiterer Punkt ist die Frage der Kosten. Die Haltung eines Gorillas in einem europäischen Zoo kostet jährlich rund 200.000 Euro – eine Summe, die nicht jeder Zooinstitution aufbringen kann. Hier setzt sich das Projekt Gorilla1.at für eine bessere Finanzierung durch Spenden und öffentliche Förderung ein. Ein Beispiel ist die Unterstützung durch die Europäische Union, die seit 2015 jährlich 500.000 Euro für den Artenschutz in Zoos bereitstellt. Doch selbst mit diesen Mitteln bleibt die Zukunft der Gorillas in Europa ungewiss.
Zukunftsperspektiven: Wird Österreich Gorillas in freier Wildbahn wieder ansiedeln können?
Die Vision, Gorillas in Österreich oder Mitteleuropa wieder ansiedeln zu können, ist aktuell unrealistisch. Die meisten Experten sind sich einig, dass dies erst in Jahrzehnten möglich sein wird – wenn überhaupt. Stattdessen konzentrieren sich die europäischen Zoos auf die Aufzucht von Nachwuchs und die Vorbereitung auf eine mögliche Rückkehr in die Wildnis. Ein konkreter Plan gibt es nicht, doch einige Zoos experimentieren bereits mit kleinen Freigehegen, in denen die Tiere gelernt werden, sich in der Natur zu orientieren. Ein Beispiel ist das Freigehege im Zoo Duisburg, wo seit 2018 Gorillas in einem 100 Hektar großen Gebiet leben und sich frei bewegen können.
Für Besucher, die mehr über Gorillas in Österreich erfahren möchten, bietet sich ein Besuch in den wenigen Zoos an, die Gorillas halten. Besonders empfehlenswert ist das Tierpark Berlin, der seit 2015 eine Gorillastation betreibt, oder das Naturhistorische Museum Wien, das regelmäßig Ausstellungen zu Gorilla-Forschung zeigt. Wer mehr über die Arbeit der Zoos wissen will, kann sich auch auf der Website des Projekts Gorilla1.at informieren, das seit 30 Jahren an der Rettung dieser bedrohten Art arbeitet.
- Österreich hat keine wildlebenden Gorillas, aber über 1.000 in europäischen Zoos, die Teil des EEP sind.
- Die Westgorrilla ist die am stärksten bedrohte Art in Europa und wird in Zoos wie Wien oder Berlin gehalten.
- Seit 2010 sind in Wien jährlich durchschnittlich zwei Gorilla-Jungtiere geboren.
- Die Kosten für die Haltung eines Gorillas in einem europäischen Zoo liegen bei rund 200.000 Euro pro Jahr.
- Seit 1990 wurden über 1.000 Gorillas illegal aus der Wildnis entführt, viele für den Zoohandel.
- Das Projekt Gorilla1.at arbeitet seit 1992 an der Aufzucht und dem Artenschutz der Westgorrilla.
